Deutsch

Thursday, December 01, 2005

Alles im Lot -- Dezember 1

Es ist Winter geworden. Das zeichnet sich durch die recht kühlen Nächte aus (manchmal kann es sogar unter zehn Grad rutschen) und dadurch dass einige Bäume auch anfangen ihre Blätter abzuwerfen. Kein Problem, wenn in acht Wochen der Frühling beginnt, kommen sie wieder. Letzteres hab ich zunächst auf die krasse Luftverschmutzung geschoben, doch bei der Weihnachtsdeko mit Kunstschnee ist es mir dann doch eingefallen: Allmälich geht das Jahr zu Ende...

Wie es so schön kam, hat sich meine Situation zum Jahresende dann doch geklärt. Ich hab Arbeit, und zwar richtig. In Januar fang ich mit meinen eigenen Kursen an, also keine Vertretungen mehr. Ich bekomme einen Vertrag von zwanzig Stunden, ganz fest. Sollten die lieben Klienten absagen oder einfach nicht kommen, ich werd trotzdem bezahlt. Dazu krieg ich eine Wohnung organisiert, ein Handy bezahlt, und sämtliche bürokratischen Papiere werden vom eigenen Anwaltsstab der Schule geregelt. Ausserdem sind Spanischkurse und jede Menge Fortbildungskurse im Pauschalpaket mit enthalten. Verdammt verdammt, worauf ich mich da eingelassen hab? Für ein Jahr hab ich mich verpflichtet, aber was soll's. Anscheinend führ kein Weg an der Grosstadt vorbei.

Wieso ich mich schliesslich doch für die Wohnung der Schule entschieden hab? Naja, andere Wohnungen haben ein paar Nachteile, egal von welchem Stadtteil die Rede ist: Es ist SAUSCHWER eine zu mieten!!! Zunächst muss man die Miete für die ersten zwei, drei, bei manchen sogar VIER Moante im Voraus bezahlen, auch wenn ich vertraglich unterschreibe für mindestens ein Jahr einzuziehen. (Logik???) Dann braucht man mehrere Referenzen (natürlich aus Mexico City) die bestätigen dass ich glaubwürdig, ehrlich, reich, etc. bin, und dass ich die Miete bestimmt immer pünktlich zahlen werde. (Aber klar doch!) Damit aber ist es noch nicht genug. Ich brauche einen Bürgen(!!!) D.h. jemanden der sich verbürgt, falls ich die Miete irgendwann doch nicht zahlen täte, dass er sie statt meiner übernimmt. All diese krassen Zumutungen sind auf ein Gesetz zurückzuführen, der ursprünglich erlassen wurde um "arme Leute zu schützen", letztendlich aber arme Leute abzockt: Wenn man die Miete nicht zahlen kann, darf man zwei Jahre nicht rausgeschmissen werden. Klar dass somit jeder mehrere Vorkehrungen trifft.

Nach all diesen ärgerlichen Dingen, die man auf sich nehmen muss wenn man eine Wohnung bezieht, kommt noch dazu dass die wenigsten Wohnungen möbiliert sind. Was mich hierbei am meisten stört, ist nicht das Fehlen einer Glasvitrine oder einer Ledercouch, sondern eher die eines Kühlschrankes, eines Herdes, oder eines Wasserboilers. Natürlich kann man all diese Dinge kaufen, (neu oder gebraucht) und installieren (lassen), aber jetzt mal im Ernst... Kein Wunder also dass man hierzulande noch bei den Eltern wohnt wenn man längst mit der Uni fertig ist, und dabei ist Pläne für Hochzeit, Familie, eine eigene Praxis, etc. zu schmieden. Selbst dann will man aber nicht zu weit weg... Ich rede gerade von meiner Vermieterin, die neunundzwanzig ist, praktizierende Zahnärztin, aber immernoch in ihrem Mädchenzimmer unten bei den Eltern wohnt. Die Mexikanische Gesellschafft ist in dieser hinsicht unglaublich inflexibel.

So werde ich also in einer Wohnung von IH wohnen, und zahl ihnen das Geld zurück das ich von ihnen bekommen hab... zumindest 2000 pesos. Die Mitbewohner sind ebenfalls Lehrer aus England, den Staaten, Südafrika, Irland, gottweiss-woher, und hoffentlich auch Finnland. Dazu später mehr.

So gesehen ist die Situation im Vergleich zum Vorjahr nicht viel anders: Mexico City ist zweimal so gross wie das ganze Land Ungarn, aber dafür sind die Tomaten (etwas) billiger. Meine Wohnung ist zwar genauso klein, dafür hat sie mehr Licht. Das Geld ist zwar im absacken (vor allem nächstes Jahr vor den Wahlen) dafür verdiene ich hier in 20 Stunden so viel wie in Budapest vollzeit. Die Mädels sind genauso hübsch, allerdings haben sie hierzulande seltsame Vorstellungen von Romantik. Das Meer ist hier ebenso eine Tagesfahrt von hier, dann liegen allerdings gleich zwei Ozeane vor meinen Füssen... Die Leute sprechen zwar eine andere Sprache, die man sich aber in einem Jahr aneignen kann. Somit geht es mir eigentlich ganz gut.

Das beste ist jedoch, bevor ich anfange zu arbeiten hab ich erstmal drei Wochen Ferien!!! Nächsten Montag muss ich an einem Meeting teilnehmen, danach jedoch kann ich erstmal auf eine kleine Tour gehen. Ein bisschen Strandurlaub, ein paar Mayaruinen anschauen, Leute in Oaxaca besuchen, im allgemeinen ganz stressfrei mit Bier und Gitarre locker machen... wird ganz nett. Zum Schluss noch Silvester in der grössten Menschenmenge der Welt feiern, und dann geht's gleich los.

Die Arbeit ist nämlich nicht ganz ohne. Von drei Wochen Vertretung weiss ich so bisschen was auf mich wartet. Der Unterricht findet nicht in der Schule statt sondern draussen bei den Firmen. Wir unterrichten Business English bei den ganz grossen: Disney, Coke, PriceWaterhouseCoopers, etc. Natürlich sind diese in den verschiedensten Winkeln der Bürogegend verstreut, zu denen wir mit Bussen und der Metro rausfahren müssen. Wenn irgendetwas auf dieser Welt als EXTREM zu bezeichen ist, dann die öffentlichen Verkehrsmittel von Mexiko Stadt. Busse haben weder Haltestellen noch Nummern (von Fahrplänen ganz zu schweigen, aber wer rechnet schon mit sowas spiessigem?), man muss sie so anhalten, und mit dem Fahrer verhandeln wo er einen absetzen soll. Zum Teil sind diese "Stadtbusse" nichts als Collectivos, also Grossraumtaxis (runde VW Busse) mit fester Linie und Preisen. Mitgenommen wird grundsätzlich jeder der reinpasst, frei nach der Devise: Wenn kein Platz ist wird halt Platz gemacht.

Selbiges gilt bei der U-Bahn. Die Stosszeiten von ca halb sechs am Morgen bis elf Uhr, und von zwei Uhr Nachmittags bis sieben oder acht am Abend. Ansonsten ist es auch recht schwer einen Sitzplatz abzubekommen, aber wenigstens muss man dann nicht übereinander klettern. Dazu kommen noch die Extremzeiten, so 7-9 am Morgen, wenn bewaffnete Sicherheitskräfte das Verkehren kontrolieren. Es ist wie ein grosses Spiel, dem Rugby nicht unähnlich, also eine Art Frühsport: Männer und Frauen werden getrennt um das Spiel so fair wie nur möglich zu gestalten. Die Bahn kommt, und erst müssen die Leute aussteigen. Das ist nicht so einfach, denn auf der Plattform gibt es selbst für die Einsteiger kaum Platz. Die Türen gehen auf und das Drängeln geht los, natürlich nach mehr oder weniger festen Regeln: eine Hand schützt die Wertsachen (Geld, Handy, Genitalien) die andere wird als Waffe gegen alle anderen Spieler eingesetzt. Schubsen, Stossen, auf die Füsse treten gelten als faire Mittel, die das Vorwärtskommen ermöglichen. Schlagen, Beissen, und an der Nase drehen wird jedoch als Foul gesehen und wird von den anderen Spielern mit ähnlichen Fouls erwiedert, bis die Schiedsrichter mit Schlagstöcken einschreiten. Bis jetzt hab ich einmal soetwas gesehen. Ansonsten sind die Mexikaner sehr faire, sportliche Kämpfer. Jeder Schubs, jeder Stoss, jede Abwürgung der Menge durch strategisch plazierte Körpermassen, wird von einem "Con permiso," einem "Lo siento," oder einem lauten "Andalé!" begleitet. Wenn man es schliesslich geschafft hat sich in die Bahn zu quetschen, hat man das Spiel gewonnen. Zumindest eine Halbzeit, wenn man irgendwo umsteigen muss. Ansonsten bleibt man als Verlierer draussen stehen, allerdings mit erheblich mehr Chancen in der nächsten Runde.

Kein Wunder also, dass jeder Anzug, und jede Kravatte zum Schluss so zerknittert rauskommt als hätte man darin geschlafen. Schon dadurch kann man die Reichen (sprich Autofahrer) von den Fresas (wortwörtlich Erdbeeren) unterscheiden. Letzteres ist ein Ausdruck, der soviel wie Angeber oder Streber bedeutet. Einer der gern bei den Reichen mitspielen würde, oder sich einen Anzug (oder eben Auto...) kauft und so tut als wäre er einer der oberen 10,000. Konsequenterweise möchten sich die Leute, die leicht für Fresas gehalten werden könnten (also ein Grossteil meiner Klienten), so sehr von diesem Immage distanzieren wie sie nur können. So findet man unter ihnen z.B. sehr viele Wochenendgothen und ähnliche möchtegern Kulties. Das soll natürlich nichts persönlich gegen sie aussagen, dafür können sie ganz sympatisch sein. Sympatischer jedenfalls als die Fresa-rufenden Proleten von Iztapalapa, oder die echten Fresas, die's halt überhaupt nicht mehr merken. Denn von der Sorte gibt es ebenfalls jede Menge, und ich kann nur sagen, der Begriff "Erdbeere" trifft bei ihnen voll ins Schwarze, bzw. ins Rosane.

Thursday, November 10, 2005

Tiefdruck -- November 10

Wie sich Dinge ergeben haben, bin ich in Mexico City gelandet. Die ganzen Hurrikane hab ich überlebt da ich erst nach Emily angekommen bin, Stan um Haaresbreite entkam, und als Wilma zuschlug ich längst nicht mehr auf dem Yucatan war.

Hier in der Hauptstadt kommt sowas nicht vor. Brauchen wir auch nicht, es gibt andere Dinge, die fast so nervig sein können. Die letzten zwei Tage, zum Beispiel, hatten wir Wolken. Auch nicht irgendwelche... man konnte am Himmel keine einzige blaue Stelle sehen!!! Was in Deutschland fast schon Altag ist, und man sich auch noch freut dass es nicht regnet, kann hier ganz schlimme Folgen haben. Zumindest für Leute wie mich, die daran nicht gewöhnt sind.

Ich bin gestern mit Kopfschmerzen aufgewacht, und von da an wurde es nur noch schlimmer. Auf dem Weg zur Arbeit konnte ich nicht aufhören zu gähnen, und das nicht weil ich nur neun Stunden geaschlafen hab. Meine ersten beiden Klienten hatten sich entschieden nicht zu kommen ohne mir bescheidzusagen und so fuhr ich wieder nach Hause. In der Metro kam es mir zum Teil echt so vor als würde mir schwarz vor Augen. Das einzige was mich vorm Umkippen bewahrt hat war die Menge, die dicht gedrängt wie Sardinen standen, nichts ungewöhnliches um halb neun an einem Mittwochmorgen, und mich unweigerlich von allen Seiten stützten. Am liebsten hätte ich mich in meinen schönen Klamotten (ja, ich trage jetzt Kravatte und den ganzen Kram) mit dem Kopf nach unten auf die Treppe gelegt, wo die ganzen Bettler lungern, damit ich bisschen Blut ins Gehirn bekomme.

Was war aber bloss los mit mir? War ich krank? Wie konnte ich diese ansonsten untypische Schwäche erklären? Waren es echt die Wolken? Oder die Luftverschmutzung? Vielleicht die Tatsache dass Mexiko Stadt in über 2000 meter gelegen ist, dazu noch in einem Tal. Vielleicht war es eine Kombination von allen, und dass ich noch nicht so recht dran gewöhnt bin. Jedenfalls konnte ich so nicht herumlaufen, geschweige denn effektiv unterrichten zu können. Ich musste vorbeugende Massnahmen treffen.

Nach Untersuchung der Tatsachen beschloss ich meinen eigenen Arzt zu spielen, und mir 340 ml Coca Cola zu verschreiben. In einem anderen Blogeintrag warf ich die Frage auf warum hierzulande so ungluablich viel von dem Zeug konsumiert wird. Eine klare Antwort hab ich bis jetzt immernoch nicht, allerdings hat dieses gern getrunkene Volksgift bei mir wie ein Wundermittel gewirkt... für eine halbe Stunde oder so. Dann musste die Dosis erhöht werden. An dem Tag hab ich so ca anderhalb Liter Cola getrunken, suplementiert von einigen starken Kaffees mit viel Zucker. Meine Kopfschmerzen hat es zwar nicht behoben, aber zumindest war mein Blutdruck wieder in Ordnung.

Gut, das ist kein Regelfall hier. Normalerweise scheint die Sonne ununterbrochen, und mir geht's blendend. Es war bloss der gestrige Tiefdruck, und der Smog der damit kam. Allerdings ist alles nur eine Sache der Gewöhnung, und ich bin sicher, in ein paar Monaten werde ich so einen Tag gar nicht mehr merken. Versucht aber mal als nichtraucher auf einem hohen Berg 20 Filterlose Zigaretten zu rauchen! Soviel ist angeblich was man als Bewohner von México D.F. im Durchschnitt von der Luftverschmutzung abbekommt.

Natürlich kommt es drauf an in welchem Stadtteil man wohnt. In Iztapalapa, wo ich z.Z. in einer "Wohnung" für ca monatliche €35 hause, stinkt es schon gewaltig. Grünflächen sind eine Rarität, und Autos dominieren nicht nur die Strassen sondern auch die Läden in der umgebung. Es ist eine einzige grosse Autowerkstadt. In den kleineren Strassen stehen die geilsten Amikutschen aus den 70ern und 80ern, die aber seit den 70ern und 80ern ganz offensichtlich nicht mehr gefahren wurden. Dafür fahren vor allem Nachts die fläschigsten, aufgemotztesten Karossen durch die Gegend, mit allem was man als guter Prolet so braucht: getönten scheiben mit unglaublichen Matrizen, blankgeputzten Alufelgen, Neonlichtern am Boden, und einem Bass das die Alarme der anderen auslöst.

Die Wohnung selber ist nur provisorisch als solche zu verstehen. Im Grunde ist sie eine Zahnarztpraxis, mit einem extra Raum hinten, und einer Dusche im Klo. Weil es aber an Patienten Mangelt, verdient die Tante glaub ich an diesem Zimmer mehr als mit Zähnen. Wegen den zuvor schon erwähnten Nachteilen, vor allem aber weil ich keine Küche habe, muss ich mir was besseres suchen.

In den anderen Stadtteilen kann es schonmal ganz anders aussehen. Dort wo ich arbeite gibt es mehrstöckige Luxuswohnhäuser mit Wächtern die mit Maschinengewähren und schussicheren Westen ausgerüstet sind, und Portiers die Uniformen tragen auf die ein General aus dem 19. Jahrhundert stolz wäre. Mit dem was ich verdiene, könnte ich mir ein Leben dort auch evtl. leisten, dann bliebe aber nicht mehr viel übrig.

Ach ja, ich arbeite für International House. Wer's kennt, weiss wofür dieser Name steht. Wir unterrichten die ganz grossen Konzerne. Meine Klienten momentan arbeiten für PriceWaterhouseCooper, Johnson&Johnson, und Servicios Clinicos, wir haben aber andere auf der Liste, wie z.B. Disney, Pemex oder Coca Cola. Da ich aber erst seit einer Woche mit von der Partie bin, mach ich momentan nur Vertretungen. Und das Geld? Weiss nicht, bis jetzt hab ich keins bekommen. (Gut, am Ende des Monats krieg ich einen Scheck für... 125 pesos die Stunde, wieviel das auch sein wird.) Allerdings erledigen unsere Anwälte den ganzen Papierkrieg, ich muss nichts mehr machen. Ausserdem werd ich auch bezahlt wenn die Klienten absagen (oder einfach nicht kommen). Und im Januar werde ich selber Kurse kriegen, was ich dann aber ein ganzes Jahr durchziehen muss. Wenn nicht, muss ich die Anwaltskosten tragen. Somit haben sie mich also doch unter die Fuchtel bekommen. Verdammtes Sell-Out eben. Doch ein Jahr werd ich Mexico City aushalten können. Danach kommt Tokyo, Dubai, Taiwan, und wer weiss wo ich noch ähnliche Verträge unterschreiben werde weil ja das Geld so gut ist.

Ob's wirklich so gut ist, wird sich noch herausstellen. Auf jedenfall werd ich mir die Chance nicht nehmen lassen ein klares Bild vom Leben hier zu kreiren, in welchem Lebenstil es auch sein mag.

Tuesday, October 11, 2005

Regenzeit -- Oktober 04

Es regnet. Das ist nicht allzu sonderlich, schliesslich sind wir in der Regenzeit, wovon Oktober der letzte Monat ist. Das bedeutet nicht dass es regnen muss, aber es kann wenn es will. Meistens gibt es Abends ein oder zwei Stunden kräftige Schauer, mehr nicht. Jetzt regnet es jedoch schon seit drei Tagen ununterbrochen! Und zwar nicht nur so wie die drei bzw. mehrtägigen Pisswetter, die man aus Deutschland kennt. Hier schüttet es volle Pulle... und die Pulle scheint nicht mal leer zu werden.

Der Grund für dieses ungewöhnliche Wetterphenomen hat einen Namen: Stan. Er hat bereits an beiden Küsten (!) Angst und Schrecken verbreitet, und für jede Menge Verwüstung gesorgt. Nach dem kleinen Erdbeben hier war das meine zweite Naturkatastrophe in zwei Wochen. Ich bin nur knapp mit dem Leben davongekommen. Okay, letzteres war knallharte Übertreibung, aber am Sonntag bevor es losging, sass ich gerade auf den obersten Hängen als die Wolken durchzogen. Es war gigantisch zu sehen...

Einige Freaks aus der St. Isabell Herberge haben sich in den Kopf gesetzt, sich übers Wochenende was in den Kopf zu setzten. Was wäre ein geeigneterer Ort dafür als San José de Pacífico, wo die legendäre Maria Sabina einst als Reiseleiterin tätig war. (Die Eagles sollen sie besucht haben, sowie Dylan und weitere Gesichter aus Hollywood.) Da sie heute nicht mehr unter uns weilt, wurde ihr Amt von der mittlerweile ebenfalls recht legendären Catalina übernommen.

Wir waren zu siebt: Mike aus Austin, TX, der Mann mit der Idee und dem Plan; Gabriel, der andere Antropologe und neuerdings auch Gitarrenspieler aus Vancouver, BC; Pablo, der glatzköpfige Gitarrenlehrer und Tatoo-künstler aus México D.F.; Sarah und Morgett aus Frankreich, mit denen man sich am besten auf Französisch unterhällt (auch wenn dieses mehr Ähnlichkeit mit Spanisch, Englisch oder Deutsch aufweist); und Joe aus England, der sich seit über 15 Jahren nichts mehr geschmissen hat und es kaum abwarten konnte.

Mit dem Bus fuhren wir nach San José, wo wir bei Dunkelheit den Weg zu Catalinas Hexenhäuschen finden mussten. Anfangs haben uns Leute im Dorf die Richtung gezeigt, später waren wir allerdings auf herrenlose Hunde angewiesen, sowie die paar Lichter die durch den Wald schienen. Einmal waren wir fast soweit dass wir allgemeine Ver(w)irrung ausriefen, und zwei Leute vorausschickten um sicherzugehen. Es stellte sich heraus das wir einfach nur dem Licht folgen mussten.

Als wir ankamen (natürlich total unangekündigt... wie auch?) hat uns Catalina bereits erwartet. Sie stand in der Tür und hat uns zugewunken. Oben waren die Betten gemacht, und in der Küche simmerte ein Topf lecker vor sich hin. Im Zimmer standen sieben Tassen mit dampfendem Tee auf dem Tisch. Fragt mich nicht wer ihr von unserem Kommen berichtet hat, die Vögel oder die Hunde, aber wir wurden aufgenommen wie lange nicht gesehene Urenkelkinder.

Innen drin sah ihre Hütte wie ein total verspultes Lebkuchenhaus aus. Richtig gemütlich, aber unglaublich vertrippt. Sämtliche Wände waren mit interessanten Symbolen bemalt, wobei keine Stelle unbemalt gelassen war. Selbst hinter dem Foto von Pancho Villa starrte ein sehr krank aussehender Don Quixote hervor. Nachdem wir unseren Tee getrunken haben hat uns Catalina auch (sehr angebrauchte) Filzstifte, Buntstifte, Wachsmalkreiden, Pinsel, und Farben die aus Tuben kamen in die Hände gedrückt, dass wir auch was auf die Wände malen sollen. Ja klar doch, aber wohin? Ist egal. Irgendwo wird sich schon eine frei Stelle finden. Oben im Gästezimmer gab es dann einige leeren Wände...

Lange musste man uns aber nicht anstacheln bevor der Tee Wirkung zeigte. Es war sehr mellow, aber wir hatten ein paar gute Lacher, und dann einige noch bessere. Gemalt wurde auch ein bisschen, aber in grössere Gedankengänge haben wir uns nicht verfangen. Stattdessen gingen wir raus, um die Sterne zu betrachten, von denen es jede Menge gab. Schon deshalb hat sich die Fahrt gelohnt.

Am nächsten Tag wurde sozialistisch gefrühstückt. Catalina meinte dass wir in ihrer Küche alles benutzten können wenn wir wollen, es wäre im Preis mit einbegriffen. Nach genauerer Inspektion stellte sich heraus das es trotz des Überflusses an Kräutern und Gewürzen, an fester Nahrung mangelte. So warfen wir weng Geld zusammen, gingen ins Dorf zum Einkaufen, kochten ein Frühstück das immernoch nach seinesgleichen sucht, und gaben auch Catalina was davon. Herrlich!

In den nächsten Stunden folgte ein ruhiger Sonntagnachmittag in den sonnigen Bergen: Es wurde im Garten, direkt am supersteilen Abhang herumgelungert, Schach gespielt, Musik gespielt und gesungen (die ganzen Hits natürlch: Let It Be, Zombie, Hotel California, Don't Cry, Stairway to Heaven, Nothing Else Matters, One - die U2 Version - und vieles dergleichen). Währenddessen konnte man die Wolken sehen, wie sie von unten heruafgeweht kamen. Wie nasse Lappen streiften sie durch unsere Runde, benetzten meine Brille, und gaben eine Angenehme Abkühlung. Wenig später sorgten sie auch für leichte Unruhe, da alle anderen an dem Abend bereits an der Küste sein wollten.

So bedankten wir uns bei Catalina für die Gastfreundschaft, zahlten insgesammt 100 pesos pro Kopf und schlendert runter ins Dorf um auf den Bus zu warten. Natürlich wurden Chips und ähnliches Knabberzeugs gekauft, womit auch die Hunde belohnt wurden weil sie so gut auf uns aufgepasst hatten. Der Bus kam, ich sprang auf, und fuhr nach Oaxaca zurück weil ich kein Bock, keine Zeit, aber vor allem kein Geld für Pazifik hatte.

Hier in Oaxaca hat mich dann das Wetter eingeholt. Die Wolken die man in San José so schön sehen konnte liessen ihrer Ladung freien Lauf, wovon immernoch recht viel übrig zu sein scheint. Inzwischen habe ich auch erfahren dass die sechs anderen direkt in den Hurrikan fuhren. Krasse Sache... mittlerweile sind Gabriel und Pablo zurückgekommen, und angeblich geht es den anderen auch gut. Morgett und Sarah fuhren nach Guatemala weiter, und Mike und Joe... naja, sie wollten eben noch am Strand bleiben. Ich hoff sie haben die Krise gut überstanden, aber habe wenig Zweifel dass sie bald wieder in Oaxaca sein werden.

Thursday, September 29, 2005

Papierkrig -- September 29

Es kam wie es kommen musste. Ich habe mich drauf eingelassen nach Mexiko zu immigrieren, und zwar legal. Keine Ahnung ob's was wird. Mal ehrlich... die Sachen die sie da wollen. Unter anderem wird eine Beschreibung meiner Nase verlangt, und das ist kein Scherz. Wenn's aber nur das wäre. Dokumente um Dokumente von den verschiedensten Quellen. Ich brauche zum Beispiel ein Papier vom US State Department darüber dass mein Papier von der University of Arizona auch echt ist. Dann muss ich diverse Wische auf Spanisch ausfüllen, bzw. einen Brief schreiben, wo ich meine Motivation darlege in Mexiko arbeiten zu wollen. Irgendwie fallen mir die Fahrradfänger von Playa del Carmen ein, und der Test in Amtsspanisch, den man bestehen muss wenn man sein Rad wiederhaben möchte. Ich denke dieser Test ist ein Witz verglichen mit dem Papierkrieg auf den ich mich eingelassen habe.

Aber wie es aussieht kann ich nur dann an den Unis unterrichten wenn ich ein FM3 hab. So nennt sich das Dokument, welches momentan wie eine Karotte vor meiner Nase gehalten wird. Neben den ganzen anderen Papieren muss ich ca. 200 Dollar zahlen, und selbst dann ist das Ding nur ein Jahr gültig. Super!

Die Leute von der Uni wollten mich zunächst nur für 20 Stunden haben. (Das sind 20 Stunden INSGESAMMT, also zwei pro Woche.) Das hätte mir auch gepasst, schliesslich ist es ein Anfang, und wenn ich schon mal drin bin sind weitere Klassen nur eine Frage der Zeit. Jetzt fällt ihnen aber ein ich bräuchte doch ein FM3. Dazu brauch ich (d.h. die Migrationsbehörde) aber einen Breif von ihnen, indem sie meine Einteilng übers ganze Jahr beschreiben. In anderen Worten, ich würde fest angestellt werden (wenn auch erst in ein paar Monaten). Hey, mich stört's nicht. Aber morgen soll ich bereits meine erste Stunde halten. Jetzt geh ich zurück und sag dem Typen dass es mit morgen nix wird, es sei denn er lässt mich ohne FM3 unterrichten.

Keine der beiden Optionen ist sehr wahrscheinlich, und noch weniger vorteilhaft. Eine typische No-Win-Situation. Allerdings weiss ich nicht was noch so zur Auswahl steht. Aber ich kann's kaum erwarten herauszufinden.

Sunday, September 11, 2005

Sonntag in Oaxaca -- September 11

Sontag morgen... dass heisst eigentlich ist's eher Vormittag, wobei viertel nach eins eigentlich schon als Frûhnachmittag gilt.

Egal. Oaxaca hat sich echt verlangsammt. Um diese Zeit sieht man eigentlich fast nur Touristen in der Stadt. Die heimischen Oaxaceños sind gerade in der Kirche, oder beim bûrgerlichen Mittagsmahl. Schon verrûckt wie aussergewôhnlich so ein "normaler" Sonntag aufgefast werden kann wenn man das "normale" bereits weit hinter sich gelassen hat.

Ausserdem hat alles geschlossen! So eine Frechheit... selbst ein Internetcafe war schwer zu finden. Und ich schätze auf dem Markt wird auch wenig los sein. Was werd ich bloss essen? Mal sehen, wenn mich der Hunger da hintreibt... aber die Frauen, die vor der Jugendherberge Quesadillas kochen werden wohl noch arbeiten... hoff ich.

So sieht also der Alltag hier aus: Auf den Markt gehen, Einkaufen, zurückkommen und kochen. Dann essen. Wenn man's richtig macht, kann damit locker ein ganzer Tag weggehen. Zumal in der Küche, wo alles vorbereitet wird, sich auch das soziale Leben der Herberge abspielt. Die Leute sind ein ständiger Mix von den verschiedensten Rucksäcklern, vor allem aus Westeuropa und Nordamerika, die höchstens ein paar Tage bleiben. Es gibt aber auch Leute die es etwas ernster meinen mit Mexiko, und die folglich auch etwas länger die Küche teilen.

Da gibt es zum Beispiel einen jungen Journalisten aus Deutschland, der vorhat bei den Zapatisten in Chiapas als peace-watcher zu arbeiten, und die dortige Lage zu dokumentieren. In anderen Worten im Dorf mitwohnen, und mit seiner Präsenz die (Para-)Militärs vom Gemätzel der Bevölkerung abhalten. Mit ihm reist auch ein anarchistisches junges Mâdel, die eher von einer Vision an eine bessere Welt getrieben wird, und nach Deutschland gar nicht mehr zurück möchte. Um allerdings als Peace-watcher angenommen zu werden, mûssen beide ihre Spanischkentnisse erweitern, was sie allerdings sehr diszipliniert durchziehen.

Und Spanische Konversationspartner gibt es hier jede Menge. Ein ehemaliger Zapatist (heute Grünzeugverkäufer) wohnt ebenfalls bei uns, zusammen mit Freunden und seiner Schnecke, die sich so gut mit Körpersprache auszudrücken weiss, dass man Wörter versteht die einem gar nicht bekannt waren. Jeder Lehrer kann sich an ihr nen Beispiel nehmen. Pablo aus D.F. ist ein anderer "Konstanter". Er ist Tattoo-künstler und möchte für ne Weile in Oaxaca leben, oder mal schaun. Momentan ist er aber eher Gitarrenspieler und lehrer hier im Santa Isabell. Ausserdem kommen fast täglich irgendwelche Leute aus Spanien oder dem Baskenland vorbei. Erst gestern wurde uns ein Video gezeigt von dem Abriss eines besetzten Hauses in Pamplona. Die radikale Atmosphere, bwz. die politischen Diskussionen die es ausgelöst hat... WHANSINN! Zapatisten, Anarchisten, Leute die den Staat nicht so mögen kommen in der Regel gut weg. Aber wenn es um Oligarchen geht, korrupte Beamte, oder irgendwelche Staatsaparate...

Gestern gab es eine Politische Demo direkt in unserem Viertel. Andres Manuel Lopez Obrador war in der Stadt, und zog eine Schaar von Fans mit sich. Eine Regelrechte Volksfeststimmung brach aus; selbst beistehende Passanten wurden vom Herdentrieb erfasst, und jubelten dem Präsidentschaftskandidaten zu. Obrador, gegenwärtiger Bürgermeister von Mexico City, ist der hoffnungsträger der Nation. Mit seiner gelben Partei PRD (Partei der Demokratischen Revolution) will er als erster linker Präsident das mexikanische Ruder an sich reissen, und alles in seiner Macht tun um den Armen, Bedürftigen und Ureinwohnern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Klingt vielleicht reisserisch, aber das war die Essenz von dem was er in seiner Stundenlangen Rede von sich gab... was ich zum Teil auch verstand. Den Rest selber ausdenken war nicht schwer. Beeindruckend fand ich jedoch die Reaktion der Menge. So aufgeregtes Gejubel gibt es normal bei Fussballspielen. Allerdings ist Obrador auch kein gewöhnlicher Kandidat. Nachdem die Mexikanische Revolution ca. 1920 rum alle seine eigenen Kinder aufgefressen hatte, wurde die PRI (Partei der Institutionalisierten Revolution) Staatspartei, die bis zum Ende des Jahrhunders jede Wahl gewann. (So ungefähr wie heute die CSU in Bayern.) Die Partei PAN (Brot) die gerade mit Vincente Fox an der Macht ist, ist aber führ viele Mexikanier schlimmer als die erst kürzlich abgewählte PRI. Warum? Nun, darauf konnte ich noch keine gute Antwort finden, oder falls sie mir auch zo Ohren kam hielten mich sprachliche Probleme zurück. Jedenfalls hat es was mit Korruption, grossen Konzernen, Coca Cola (dessen CEO Fox gewesen ist) und den USA zu tun. Egal. Ich seh die Sache eh nur als Aussenseiter. Viel Gefeier für bunte Farben.

Allerdings scheint es fast so dass hierzulande alles mit Politik zusammenhängt, wovon mir vieles noch unbekannt ist. So hat Sprache zum Beispiel eine politische Bedeutung. Englisch zu sprechen ist verständlicherweise verpönt, was den wenigen Amerikanern hier das Leben nicht erleichtert, selbst wenn sie die chilligsten Althippies sind (die das Spanische eigentlich schon vor Jahren hätten meistern sollen). Das gleiche gilt aber nicht für Deutsch. So würde es keine schlimmeren Blicke auf sich ziehen, wenn die Gruppe von vier oder fünf Deutschen die Küche dominieren täte... was sie aber komischerweise dann doch nicht tun. Es wird Spanisch gesprochen... gebrochen... gesprochenes Spanisch gebrochen. Wenn's einem auch noch so schwer fällt.

Es gibt allerdings auch ein paar Sonderlinge, denen Sprachen keine besonderen Schwierigkeiten bereiten. So wohnt z.B. Gabriel bei uns, ein Kanadischer Anthropologe der gerade an seinem Master project arbeitet. Er ist einer der mit den einheimischen spanisch spricht, mit den Franzosen französisch, mit den Amis auf Englisch, und mit den Deutschen auf der Sprache die in dem Fall am besten läuft.

Wenn die Unterhaltung solche Hürden aufwirft versucht man natürlich alles mögliche um sich anderweitig zu unterhalten. So werden oft Würfel gespielt (bis jetzt sind die zwei Lieblingsspiele Mäxchen und das andere Spiel mit fünf Würfeln, das in Giessener Studentenwohnheimen so beliebt ist. -- Ich hab sie nicht eingeführt, war alles schon!)

Eine andere Art sich (und zum Teil auch andere) zu unterhalten ist Musik. Zwei der Konstanten Bewohner des St Isabel spielen sehr gut Gitarre, die sie auch anderen gerne beibringen. Dazu kommt noch dass man sich für ca 25 US-Dollar eine Gitarre kaufen kann, und damit eben ewig viel Spass haben (nachdem die Schmerzen und Frustration überwunden sind). Dazu kommen noch so viele Leute hier durch die irgendwas spielen und einem zeigen können. Vor ein paar Tagen erst hat mir argentinischer Reisender einen total lebendigen Gaucho Rytmus gezeigt. Ich glaube es heisst Marimba. Hört sich auf jeden Fall geil an!

So ist das Alltagsleben doch recht angenehm. Langweilig wird es kaum. Musik, Sprache, Kochen, Essen, Politik labern... jetzt bräucht ich bloss arbeit! Aber noch haben wir Sonntag. So werd ich mich also wieder dahin zurückbegeben wo gekocht und gelabert und musiziert wird. Unterwegs will ich noch auf dem Markt vorbeischauen, um evtl. selber was beizusteuern. Dann treff ich mich heute Abend mit einer Englischlehrerin die schon seit Jahren hier arbeitet und mir nützliche Tips geben will. Hoff mal aufs beste!

Saturday, September 03, 2005

Letzter Tag im Paradies -- September 3

...soweit man dieses Kaff als Paradies bezeichnen kann (trotz Strand, Meer und Brandung).

Mittlerweile nervt mich die Situation schon ein bisschen. Keine Arbeit, hier in Puerto Angel nichtmal Aussicht darauf, ausserdem ist jetzt Wochenende, also tut sich auch anderswo wenig. Dazu kommt noch der Regen. Ich war zwar schwimmen, aber da man im Regen nicht so leicht trocken wird, macht die Sache auch wenig Spass. (Naturlich reden alle vom Goldenen Oktober, wenn alles so trocken wird dass die ganzen Walder verdorren... aber halt nicht jetzt.) Die Strassen haben sich in regelrechte Schlamlocher verwandelt, man muss durch tiefsten Dreck waten oder eben die Umwege uber die Hugel nehmen. Und was machen die lokalen Einwohner von Puerto in dieser Situation? Naja, es haben sich so um die 20-30 Leute zusammengefunden um einen Baum zu fallen. So aktiv hab ich sie bis jetzt kaum gesehen. Der verhasste Baum ist jetzt glaub ich auch grosstenteils aus dem Weg geraumt... oder auch nicht... ist auch egal, was soll's auch. Im Oktber wurde er eh vertrocknen. Mein hiesiger Gesprachspartner Alberto nannte die Aktion "locerias," Verrucktheiten die man sich einfallen lasst wenn es an produktivem Zeitvertreib fehlt.

Irgendwie muss ich an den Homo Faber denken (Max Frisch) wie er ebenfalls in Mexiko in der Nichtstuerei gehangen ist. Eigentlich nicht unangenehm, bloss eben nicht das Ideale wenn einem das Geld langsam zuneige geht, und man eigentlich Arbeit suchen musste. Ausserdem war zu seiner Zeit (vor 50 Jahren) der Massentourismus noch vor seinem Boom, wobei er hier und jetzt bereits am Ausklingen ist. Mir kommt es fast so vor als musste ich fur alle fehlenden Touris mitbezahlen, wenn ich bloss ein paar Quesadillas essen mochte. Naturlich kann ich mich im Supermarkt (von zweifelhafter Hygiene) mit dem Rohmaterial versorgen, und es, wie die Einheimischen, in meiner (nicht vorhandenen) Kuche selbst zubereiten. Aber momentan sind das alles nur schone Plane: Soblad ich ne Wohnung mit Kuche habe werde ich soooo geilen Sachen kochen... aber erstmal Arbeit finden. Dazu muss ich Puerto Angel verlassen.
Morgen ist es endlich soweit. Zuruck nach Oaxaca, wo ich in drei Unis vorbeischauen werde. Ausserdem hab ich im Internet ein Stellenangebot gefunden, in der Uni Sierra del Sur in Mihuatlan. Dort heisst es sie wurden monatlich 9500 Pesos zahlen, fur 40 Stunden Arbeit die Woche, wovon 16 Stunden aktiver Unterricht sind, der Rest bezahlte Vorbereitung. Klingt geil! Dazu kommen 5 Wochen bezahlter Urlaub im Jahr, mexikanische Krankenversicherung, und (nicht-finanzielle) Hilfe bei der Immigrationsburokratie. Zu meinem Nachteil wollen sie 4 Jahre Erfahrung, und dass ich ein Native-speaker sein soll, dazu noch mit Spanischkentnissen. (Kein Wort uber Staatsburgerschaft, es kann also evtl. klappen.) Ich denke das ich es auf jeden Fall mal probieren sollte. Mihuatlan selber liegt auf halbem Weg zwischen Oaxaca Stadt und Puerto Angel. Ich bin am Mittwoch da durchgefahren, und es sah auf jeden Fall aktiver, atraktiver und interessanter aus als dieses Nest hier. Da gibt es sogar ein Krankenhaus, einen Marktplatz, und ansehlichere Bauten. Daumendrucken ist angesagt.

Daneben hab ich drei Unis in Oaxaca gefunden, so sollte es also kein Problem sein am Montag alles auszuchecken, inklusive dem Telefonat mit Sierra del Sur. Das ist mir deshalb so wichtig, weil Montag der letzte Tag ist andem ich das Handtuch werfen kann. Mein Ruckflug geht am Mittwoch aus Cancun, und wenn ich den noch erwischen will muss ich am Montag Abend los. Das ist naturlich nur die ALLERLETZTE Moglichkeit, und da ich ansonsten eh nicht an Ruckzug glaube war dies von vornherein keine Option. Mittlerweile bin ich aber relativ knapp bei Kasse, und so romantisch ich auch veranlagt bin, reizt mich ein mittelloses Steckenbleiben wenig. Oder wer weiss, irgendwie pragt das einen schon, oder? Es verleiht einem Charachter... oder so. Andererseits kame ein Heimflug mit weiterer Planlosigkeit gleich: "...und was nun?"

Naja, es wird sich alles entscheiden. Am Montag kommt der nachste Update wie sich die Dinge entwickeln. Aber wie auch immer, irgendwas wird sich ergeben haben.

Wednesday, August 31, 2005

Bis ans Ende der Welt -- August 31

Verdammt, bin ich gefahren... Tagelang unterwegs gewesen, und ich weiss nichtmal ob's was wird. Momentan kommt's mir so vor als wäre ich wirklich bis ans Ende der Welt gereist. Hinter Gottes Rücken, wie's auf Ungarisch so treffend ausgedrückt wird. Obwohl in Wirklichkeit bin ich überzeugt dass Puerto Angel das schiere Gegenteil ist: es befindet sich direkt vor Gottes Antlitz!
Zunächst einmal eine kleine Rückblende. Ich habe am... hmm... Sonntag Vormittag Playa del Carmen den Rücken gekehrt um hoffentlich sobald nicht wiederzukommen. Fahrrad hab ich (natürlich für einen Bruchteil seines Kaufpreises) verkauft, hab mich nochmal mit Cornflakes und Bananen vollgefressen, und stieg in den luxuriösen ADO-bus nach Chetumal. Dort wollte ich schnell die komische Pass Geschichte erledigen, und mich vom US-bürokratischen Damoklesschwert befreien, aber es kam natürlich alles ganz anders. Die Geschichte ist nicht schlecht, aber die hab ich handschrifftlich festgehalten, komm also noch drauf zurück. ¨

Durchs wunderschöne Chiapas ging es dann weiter, mit Tagesstop in San Cristóbal. Von dort nach Oaxaca Stadt, und heute mit dem "Chicken-bus" bzw. Collectivo nach Puerto Angel. Das Land, die Leute, die Bauten, die Autos, die sich über die Berge schlängelnden Serpentinen... es löst in mir Gefühle tiefster Romantik aus. Wie eine Welt so fern dessen was man bis jetzt als real empfand. Und man ist gerade dabei einen Kopfsprung hinein zu wagen. Das heisst, gesprungen bin ich schon, aber gelandet noch nicht. Tagelanger freier Fall, das immernoch andauert.

Etwas realistischer, ein paar konkrete Eindrücke: Die Chiapanische Polizei bzw. Militär (also Militärpolizei, weiss auch nicht, hab bis jetzt vier verschiedene Uniformen gezählt) ist überall. Unser Bus wurde sechsmal angehalten, und ein freundlicher Schnauzbartoffizier ist jedesmal lächelnd durchgelaufen. So ungefähr wie die INS im Greyhound durch Texas, nur dass die hiesigen Uniformen nichts durchsucht und niemanden aus dem Bus gezerrt haben. Sie waren wohl auf der Suche nach Leuten mit schwarzen Skimasken, und die hatten wir nicht.

Oaxaca Stadt ist mal so richtig genial! Klima trocken, sonnig, warm mit kühlem Wind. Zwischen August und Oktober regnet es Abends. Die Bauten sind bezaubernd schön, wenn man sie nicht mit europäischem Barokk und Klasizismus vergleicht. Wenn man sich dann auf den Weg nach "unten" macht, wird man zunächst über trockenes Hochland gefahren, dann über kurvige Strassen durch Wälder aller Art: Nur Nadel, Laubmisch, und schliesslich fährt man wie in eine grosse schwüle Wolke in den Feuchtwald. Hier in Puerto Angel ist es natürlich auch nicht anders. So wie Playa eben, NUR: bis jetzt hab ich keine einzige Klimaanlage gesehen!!!

Ein Wort zu den Fortbewegungsmitteln. Klassisches Trampen hat nicht funktioniert. Zu viele Taxis, Busse, und Collectivos. Letzteres sind Pick-up Trucks mit modifizierter Ladefläche. Beidseitig können drei bis vier Leute Platz finden, insgesammt kann der Fahrer also bis zu 12, wenn er's gut macht 14 Leute transportieren. Natürlich für einen guten Preis. Aber selbst der Chickenbus war gut. Zwar etwas unbequem, aber keineswegs überfüllt. Ein alter Nordamerikanischer Schulbus, der seine alten Tage in Mexiko verbringt. Da zwischen Oaxaca und (nem Kaff 10km von hier dessen Namen ich vergessen hab) nix anderes fährt, kommt man am Chickenbus nicht vorbei. Die letzten 10km stehen einem dann ausschliesslich Taxen und Collectivos zur Verfügung.

Aber über die Preise hier kann man echt nichts sagen. Für diese Tagesfahrt von Oaxaca hierher habe ich sage und schreibe 85 Pesos gezahlt. Von der Zeit her hätte das gleiche in Amiland das Zehnfache gekostet. Für ein reiches Essen von Bohnen, Reis, Salat, Tomaten, Avocados, verschiedenen Salsa Sossen, Fleisch wenn man will, natürlich mit Limetten, Fruchtsaft, und so vielen Tortillas wie man essen kann zahlt man irgendwo zw. 20 und 30 pesos. (In diesem Bild gibt es Schokomilch statt Fruchtsaft, und die Zuckerwasserflaschen im Hintergrund sind ausschliesslich zur Deko!)

Momentan wohne ich in vollem Komfort für 100 pesos die Nacht. Zimmer mit Ventillator, Duschklo, Waschbecken. Sehr simpel, aber was will ich mehr? Das Dorf ist sooo chillig das ich's kaum glaube. Morgen geh ich zur Uni, dann schreib ich mehr.